Sonntag, 9. Februar 2014

Was fehlt den Olympia-Kommentatoren? Cindy aus Marzahn oder schlicht der Durchblick?

Die olympischen Winterspiele in Sotschi sind grandios gestartet. Athleten bewundern die Sportstätten, sprechen von einer gelungenen Eröffnungsfeier. Und was steht heute morgen im Sonntagsblatt meiner Heimatzeitung als dicke Schlagzeile auf Seite 1?

"Putins Party-Panne". Und weiter: "Was für ein Schnitzer: Fünfter Ring öffnet sich nicht". Anschließend rätseln die Helden in der Redaktion ausführlich darüber nach, was das doch für ein böses Omen sein kann, darf oder auch muss, wenn sich eine einzelne Schneeflocke nicht in einen olympischen Ring verwandelt.

Blöd nur, dass Millionen an den Fernsehgeräten eine Eröffnung gesehen haben, die sich durchaus wohltuend und seriös vom sonst üblichen Fernsehklamauk abgehoben hat.  Da fragt man sich inzwischen wirklich, welche Laus den Schreibern und zum Teil auch Kommentatoren in Funk und Fernsehen über die Leber gelaufen ist. Was fehlt ihnen eigentlich? Cindy aus Marzahn oder schlicht der Durchblick?

Möglicherweise darf aber auch einfach nicht sein, was uns die Fernsehbilder in diesen Tagen unverfälscht in die Wohnzimmer transportieren:  Ein neues Urlaubsziel zwischen Strand und Gebirge, das nach den Spielen alle Chancen hat, zur neuen Top-Adresse für die "Reichen und Schönen" zu werden. Nicht auszudenken, wenn sich das in diesen Tagen bis nach Sylt, Marbella und in andere Jet-Set-Enklaven herumspricht... 

Montag, 2. Dezember 2013

Hell die Lampen leuchten...



10 Uhr: In der Maximiliansiedlung in Hamm-Werries stellt Rentnerin Erna L. drei Elektrokerzen auf die Fensterbank ihres Wohnzimmers. Vorweihnachtliche Stimmung breitet sich aus, die Freude ist groß, bei Erna.

10 Uhr 15: Beim Entleeren des Mülleimers beobachtet Nachbar Ottfried P. die Weihnachtsoffensive. Er kontert umgehend mit der Aufstellung einer Pyramide mit zehn Lämpchen zu je 15 Watt im Küchenfenster.

10 Uhr 55: Die Maxi-Siedlung strahlt im besinnlichen Glanz von 134 Fensterdekorationen.

11 Uhr: Im Kraftwerk Uentrop registriert der wachhabende Ingenieur einen vermeintlichen Defekt der Meßgeräte. Weil Advent ist, guckt er nicht so genau hin.

12 Uhr: Den Eheleuten Horst und Heidi E. gelingt an der Langen Reihe der Anschluß einer Kettenschaltung von 96 Halogen-Leuchten durch sämtliche Bäume ihres Obstgartens. Teile der heimischen Vogelwelt beginnen in der Geithe verwirrt mit dem Nestbau.

15 Uhr: Alfons K. sieht sich genötigt, seinerseits einen Teil zur vorweihnachtlichen Stimmung beizutragen. Er montiert auf dem Flachdach seines Bungalows in der Nähe des Kanals einen Laser-Strahler und probiert ihn aus. Der Pilot einer Boeing 747 der Singapur Airlines auf dem Weg nach Düsseldorf ist irritiert und wechselt die Flugrichtung.

16 Uhr: Im Jubel einer Weihnachtsfeier im Kraftwerk Uentrop verhallt ein Alarmsignal aus der Generatorhalle.

17 Uhr: Eine Gruppe asiatischer Geschäftsleute mit leichtem Gepäck irrt verängstigt durch den Maxipark, nachdem zuvor ihre Boeing 747 der Singapur Airlines versehentlich vor dem gut ausgeleuchteten Glaselefanten gelandet war.


19 Uhr: Nicht nur in Werries brennt inzwischen der Baum. Auf allen Fensterbänken flimmert die Weihnachtbeleuchtung in vielen bunten Farben.

20 Uhr: Die NASA Raumsonde Voyager 7 funkt vom Rande der Milchstraße Bilder einer angeblichen Supernova auf der nördlichen Erdhalbkugel. 

22 Uhr: Ein leichtes Beben erschüttert die Umgebung des Kraftwerks Uentrop. Der gesamte Komplex läuft mit 500 Megawatt jenseits der Belastungsgrenze. Auf der Weihnachtsfeier geht es inzwischen hoch her.

23 Uhr: In der taghell erleuchteten Maximilian-Siedlung erwacht Studentin Betti U. und verwechselt die Adventsbeleuchtung mit der aufgehenden Sonne. Um genau 23 Uhr 15 betätigt sie den Schalter ihrer Kaffeemaschine. Eine Sekunde später gehen im Stadtbezirk die Lichter aus.

24 Uhr: Durch Werries irren verwirrte Menschen.
Menschen wie du und ich, die verzweifelt nach einer einer Kerze suchen.

So eine aus Wachs, wie man sie früher mal auf dem Adventskranz hatte...

Sonntag, 1. Dezember 2013

Schön bekloppt oder echt bekloppt?

"Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann war ein Klasse-Buch. Dieser Debüt-Roman war spannend und informativ, überraschend in Wort- und Satzfolgen, inspirierend bei Gedankensprüngen und nie langweilig. Da wollte ich gerne mehr.

Kurz "F" heißt dieses mehr, das von führenden deutschen Literatur-Kritikern beiderlei Geschlechts himmelhoch jauchzend begrüßt wurde. Nach gut 100 Seiten durfte ich feststellen, dass auch dieses Kehlmann-Buch wieder zahlreiche Wortspiel-schöpfende Gedanken enthält. Da wird geträumt und sich erinnert. Die Protagonisten, drei Brüder von zwei Müttern, suchen Schuldige für eigenes Versagen. Sie landen beim Vater, wie das heute in der Literatur immer öfter mal vorkommt. Aber auch bei Großvätern, Urgroßvätern und weiteren Ahnen, seitenweise und in ewigen Wiederholungen.

Ich frage mich jetzt, ist das schön bekloppt oder echt bekloppt? Um das heraus zu finden, muss ich das Buch jetzt bis zum Ende lesen. Leider...

Dienstag, 19. November 2013

Der Kaiser ist blind

Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer zu den Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen in Katar:

"Ich habe noch keinen einzigen Sklaven in Katar gesehen. Die laufen alle frei rum, weder in Ketten gefesselt noch mit irgenwelchen Büßerkappen aufm Kopf."

Da gibt es für mich nur noch drei Auslegungen:

1. Kostspielige Geschenke der Kataris - ähnlich wie die wertvollen Uhren für Rummenigge -
haben beim Kaiser das Gehirn vernebelt.

2. Bei genialen Fußballern fließt mehr Blut in den Beinen als in den Köpfen.

3. Der Kaiser ist inzwischen blind.




Samstag, 16. November 2013

War es die Nachtigall oder die Lehrerin ?

Habe am bundesweiten Vorlesetag teilgenommen. War lehrreich. Spaß hat es auch gemacht, weil die Kinder so prima mitgemacht haben. Trotzdem ist ein schales Gefühl übrig geblieben. Weil ich mich immer noch frage, was da so bei den Damen und Herren des Lehrpersonals in den Köpfen ist.

Der Reihe nach: Bin pünktlich - wie schriftlich aufgefordert - in der Schule. Werde von einer jungen Frau auf dem Flur abgefangen, stelle mich vor. Sie verschweigt ihren Namen und bringt mich ins Lehrerzimmer. Ich sage allgemein in die Runde guten Morgen. Keine Antwort. Die Empfangsdame tuschelt am Tisch mit einigen anderen Damen. Ich stehe derweil dumm rum.

Einige Minuten schaue ich mir das an. Dann verlasse ich den gastlichen Raum und gehe zurück auf den Flur. Ein älterer Herr kommt mir nach, stellt sich als ehemaliger Rektor und Vorlese-Kollegen vor. Bietet an, mich in die Klasse zu bringen. Ich folge quer durch die Schule. Vor der leeren Klasse verlässt er mich mit dem Hinweis, dass die Pause ja bald zu Ende sei.

Plötzlich kommen die Kleinen, mitten drin eine junge Frau. Aha, denke ich die Lehrerin. Nein, sagt sie, ich bin nur die Betreuerin. Natürlich ohne Namensnennung. Als ich gerade einmal tief durchgeatmet habe, kommt noch eine junge Frau. Sie nimmt mich mit in die Klasse, kennt sogar meinen Namen und stellt mich vor.

Ich setzte mich, erzähle den Kids ein wenig über mein Leben, lese, mache Pausen, um mit den Dötzen über das zu sprechen, was wir gerade gehört haben, lese, höre mir an, was die Kinder verstanden haben. Manchmal lachen wir auch - gemeinsam. Als ich vorschlage, dass ein schwieriger Begriff  doch besser nach der Lesestunde mal im Unterricht behandelt werden sollte, wedelt die junge  Frau, nicht die Betreuerin, die andere, nur abwehrend mit den Händen.

Seither frage ich mich: War das die Lehrerin oder nur die Nachtigall? Oder umgekehrt? Oder wie oder was? Ich konnte nicht nachfragen. Als ich aus der Klasse entlassen wurde, musste ich meinen Weg zurück alleine finden.